Poesie

An dem Felsen deiner zarten Haut.

Wellen preschen an Felsen,
bleiben kleben, verändern sich nicht.
Werden starr‘.
Ängstlicher Atem durchzieht die Nacht.
Grad‘ noch gedacht, es sei fröhlicher Schein.
Konnte es nicht anders mehr sein.

Der Felsen, er fiel.
Zerschellte.
Einzelne Staubkörner fliegen.
Umher.
Ganz einsam.
Zu klein.
Ganz einsam.

Einmal zerbrochen.
Niemals vergessen.
Deine Geschichte.
Deine Poren.
Deine morgendliche Röte.
Dein Fingerwippen.
Dein herzliches Lachen.
Niemals vergessen.

Die Nacht zieht ihre Kreise,
schließt mich aus.
Schert mich fort.
Von Ort zu Ort schleppe ich
meine müden Glieder.
Zerbrochen an dem Felsen,
deiner zarten Haut.

© Nelli H.

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Projekt "Roman"

Projekt „Roman“ – Fortsetzung

***

Gedanken der Verzweiflung haben Narben auf mir und in mir hinterlassen. Niemals mehr kann man den Blick abwenden, ohne zu sehen. Wirklich zu sehen. Dabei reicht es nicht, nur die Augen geöffnet zu halten. Nein, mit der Seele muss man sehen. Dinge nicht von Außen betrachen, sondern in ihr Innerstes blicken. So auch in ihr Gesicht. Ich betrachtete sie mit einer sanften Woge der Besonnenheit. Ich wollte keineswegs starren und sie somit verschrecken. Nein, ich wollte Vertrauen schenken. Doch ob es klappte, wusste ich nicht. Noch niemals war ich der Mensch, der Dinge einfach anspricht, der Menschen einfach anspricht. Immer war ich der Meinung man brauche einen trifftigen Grund, um auf Menschen zuzugehen. Noch nie habe ich Smalltalk mit einem fremden Menschen geführt. Nur immer mit mir selbst. Gedankenabläufe sind meiner Meinung nach einfach gestrickt. Man denkt sie und meistens sind sie schnell wieder fort und wenn nicht, dann kehren sie zwar wieder, doch kann man sie bezwingen, wenn man es wirklich will. Einfach mit einem Achselzucken abtun. Ihnen nicht zu viel Aufmerksamkeit zu Teil kommen lassen. So denke ich viel am Tag und schiebe noch mehr von mir fort. Nur nichts an mich herankommen lassen, nichts fühlen, das ist zu gefährlich. Man droht daran zu zerbrechen. Schon oft genug habe ich dies erfahren. Schon oft genug lag ich am Boden und habe nach Luft gerungen, mich panisch nach Hilfe umgesehen. Doch diese Hilfe kam nicht. Das Warten war vergeblich. Jeden Tag wartete ich darauf, dass sie zur mir kommen würden. Sich nach mir erkundigen würden. Jeden Tag, jeden Tag aufs Neue. Die Tage reihten sich, ohne, dass mein Wunsch jemals erfüllt wurde. Aus Tagen wurden Jahre, die ich nur mit mir verbrachte. Einsamkeit ist also kein Fremdwort für mich. Sie ist mein Leben.

***

© Nelli H.

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Poesie

| Eisallee. |

Es regnete Glasscherben,
sie zerschnitten, die Konturen,
Licht reflektiere die Schnittwunden.
Blutrot rann es herab.
Glanz ertränkte meinen Blick.
Einen Schritt vorwärts tretend, fühlte ich Wasser
durch den Stoff meiner Schuhe sickern.
Ein Schwall von Sorgen, sog mich hinab in die Tiefe.
Ertrank mein Wissen, meine Reue, meine Standhaftigkeit.
Hatte keinen Halt, er hatte sich im Dunst aufgelöst.
Bäume flogen kreuz und quer.
Häuser fielen um und streiften den Himmel.
Die Uhr der Zeit hatte sich verselbstständigt,
die Sanduhr wurde wieder voller, statt leerer.
Der Himmel tat sich auf, warf Menschen herab.
Meine Augen vor Angst geschlossen,
berührten mich die leichenblassen Gestalten.
Ein Schauer durchzog mich, ließ mich erkalten.
Reglos lagen sie um mich herum.
Wollte ihnen Leben einhauchen.
Sturm kam auf, verdunkelte die Umgebung,
es blitzte, donnerte.
Verzweiflung breitete sich wie eine Schneedecke
über dem Land aus.
Aus brauner Erde wurde kaltes Eis.
Meine Haut wurde nach und nach kalt,
wurde hart,
die Starre packte mich und ließ nicht wieder von mir ab.
Schneeflocken erschwerten meine Wimpern,
Luft bekam ich nicht.
Aus Verzweiflung wurde pure Angst.
Etwas regte sich.
Auf der Straßenseite gegenüber brannte eine Laterne.
Schwacher Schein erleuchtete das, was unter ihr war.
Eine Pistole, schwebend,
auf mich gerichtet.
Die Sekunden zogen sich wie Stunden.
War gefangen, die Kälte ummantelte, die Angst packte mich.
Der Lebenswille wuchs.
Ich würde warten bis das Eis schmolz.
Würde es schaffen.
Würde wieder Farbe in der Welt finden.
Würde die Leichen wieder leben sehen.
Meine Mundwinkel zogen sich nach oben,
ein Eiszapfen fiel.
Die Gleichgültigkeit verschwand.
War bereit für alles einzustehen, für alles, was man Leben nannte.
Plötzlich erstarb jegliche Regung in mir, Euphorie tanzte mit der Panik.
Soeben ertönte ein lautes, bedrohlich klingendes Geräusch.
Ein Knall.
Richtung Leben, Richtung Tod.

© Nelli H.

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