Poesie

Miss you so much.

Heute, ein wundervoller Tag, sonnendurchflutet, Vogelgezwitscher, Leichtigkeit.
Und doch zieht sich eine gewisse Schwere durch diesen Tag, denn heute vor 14 Jahren bist du von uns gegangen, bist friedlich eingeschlafen, hast diese Welt verlassen, hast uns verlassen. Für dich war es jedoch eine Erlösung, da dein Körper immer schwächer wurde, geschlaucht durch die sich immer wiederholende Dialyse. Sei dir gewiss, dass wir dich jeden Tag vermissen, deine wundervolle Seele, dein Lachen, deine Gutmütigkeit, du warst uns stets ein guter Freund, ein guter Zuhörer, ein guter Ratgeber, ein Lehrer, hast nicht selten die Rolle unseres Vaters eingenommen, du warst der beste Opa, den man sich nur wünschen konnte.
Heute, 14 Jahre nach deinem Tod, stehen wir nun hier, mein Bruder und ich, vor deinem Grab und sind beide in Gedanken versunken, erinnern uns an Momente mit dir, an Dinge, die du sagtest, an dein wundervolles Lachen, das uns jedes Mal ansteckte. Kurz bevor du gegangen bist und schon wusstest, dass du bald gehen würdest, sagtest du mir immer und immer wieder, dass wir nicht weinen sollen, wenn du nicht mehr unter uns weilst. Kullern in diesem Moment Tränen über mein Gesicht, ist es nicht nur Trauer, die da spricht, sondern endlose Dankbarkeit dafür, dass du ein großer und wichtiger Teil in unserem Leben gewesen bist, eine Bezugsperson, an die wir uns immer wenden konnten, die uns aufgefangen hat, wenn wir mal traurig waren. Endlos dankbar bin ich dafür, dass du uns geprägt hast. Mit schwerem Herzen mache ich mich auf den Rückweg, der Friedhof hinter mir wird immer kleiner und kleiner, ich besinne mich auf deine Aura, die du hattest und mir wird warm ums Herz. Ich schaue mich um, sauge die Schönheit der Natur auf, ein wohliger Rosenduft liegt in der Luft und begleitet mich bis zur Haustür, es scheint mir, als würden sich gerade die schönen Dinge in meiner Umgebung hervortun, weil du es bist, der mich gerade umgibt. Denn ich weiß, du willst nichts mehr, als das wir glücklich sind und so lasse ich die Schwere los und tanze mit den Erinnerungen an dich.
Wir tragen dich in unserem Herzen, überall wo wir sind, bist auch du. Immer noch Teil unseres Lebens und wirst es immer sein.

© Nelli H. 

 

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Poesie

Du betrachtest deine Gedanken von Nahem.
Sie sprudeln, sprudeln aus deinen Adern.
Schäumen sich auf.
Du verschwindest hinter warmem Dunst.
Das Atmen fällt dir schwer, fast erdrückt
von den Dingen, die verborgen auf dich lauern.
Ziehst du dich zurück, weit nach hinten.
In eine dunkle Ecke,
in der eine Box steht,
die alles gespeichert hat.
Alles, was du gesehen, gefühlt, erlebt hast.
Manchmal öffnet sie sich
und lässt Erinnerungsfetzen hinausgleiten,
die sich ganz langsam durch
deine Schädeldecke bohren
und sich festsaugen
so fest,
dass du sie
gar nicht mehr loswerden kannst
Gerüche schlängeln sich durch deine Nase
und lassen Bilder entstehen,
die so bunt, so chaotisch,
so hell erscheinen
dass du deine Augen kurz zusammenkneifen musst
Geräusche dringen an dein Ohr,
die dich zusammenzucken lassen
Schreie, die immer und immer wieder widerhallen
so laut, das du ins Wanken gerätst.
Ein Kälteschleier legt sich
um deine rissige Haut,
die aufzureißen droht,
solltest du nur eine Faser deines Körpers bewegen.
Daher stehst du,
gefesselt von dir selbst
einfach nur da
in der Hoffnung
all das würde sich verflüchtigen
genauso schnell
wie es gekommen ist
Manchmal muss man sich selbst fesseln
bevor man wieder frei atmen.
Sich frei bewegen.
Angstfrei sehen kann.
Frei sein kann.

© Nelli H. 

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Poesie

.

Fließt noch warmes Blut in deinem Adern,
gehörst du zu den Glücklichen,
denen das Leben noch nicht den letzten Tropfen ausgesaugt hat.
Bist du verliebt in dich, in jemand anderen, in die Welt.
Gehörst du zu denen, die nicht verloren sind.
Wachst du morgens mit einem Ziel auf,
das du erreichen willst,
gehörst du zu den Glücklichen, denen die Sonne entgegenlacht.

Doch sollte jemals eine Wolke das Helle vertreiben,
erinnere dich an jene Momente, in denen dir das Glück aus jeder Pore triefte.
Erinner‘ dich und lasse diese Momente von Neuem erblühen.
Denn du weißt, du bist es wert, von dir selbst gerettet zu werden.
Und du wirst es tun, sobald der Moment es erfordert und du bereit dafür bist.

© Nelli H. 

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Poesie

Hoffnung.

Midnight in Paris.

Wimpernschlag.
Ein Knistern.
Schritte,
die verhallen
in der Kälte der Nacht.
Der Schnee geschmolzen,
dämmt schon lange nicht mehr
die hastigen Bewegungen.
Ein einsamer Mann
sitzt auf dem nassen Straßenrand.
Er zählt die wenigen
Punkte am Himmel.
Er zählt langsam, sehr genau,
fast schon pathetisch.
Theatralisch hebt und senkt er die Arme,
spielt mit seiner Mimik
während er nach oben blickt.
Er redet viel über Sternenbilder,
über Licht und Schatten.
Wendet seinen Blick des Öfteren nach links.
Spricht als erwarte er manchmal eine Antwort.
Zieht die Worte lang, die fast schon melodisch seine Lippen verlassen.
Immer wieder hebt er den Blick gen Himmel,
dann wieder zurück zu der Person,
die in seinen Gedanken anwesend zu sein scheint.
Er erhebt sich, beugt seinen Arm, als würde er jemanden stützen
und läuft sanften, langsamen Schrittes.
Einmal scheint es, als würde seine Erinnerung stolpern,
denn er bewegt sich schnell nach vorn und greift mit seinen Händen nach der kalten Luft.
Er scheint erleichtert als beide wieder stehen.
„Du bist alles für mich.“
Seine Worte sind voller Liebe.
Sein Gesicht erhellt sich, er lacht.
Seine Stimme wird lauter,
mit beiden Händen umfasst er seine Hoffnung.
Alles, was ihm geblieben ist.
Blickt sie direkt an und wiederholt:
Du.
Bist.
Alles.
Für.
Mich.

Alles.

© Nelli H.

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Poesie

Ohne dich wären wir nicht.

Herzschlag
setzt aus
wenn du es sagst

wenn du sagst
dass wir
dass wir

besser dran wären
wenn du nicht
mehr wärst

doch die wahrheit
die wahrheit ist
wir wären

noch weniger
als wir jetzt sind
wären hinter

uns selbst verborgen
wären verloren
in den worten

der anderen
würden noch weniger
leben

als wir es jetzt tun
könnten uns nicht mehr halten
an den dünnen fäden

des vergangenen
die die luft abschnüren
würden noch mehr daran setzen

die fassade aufrechtzuerhalten
würden noch mehr tun
was wir nicht sind

noch mehr sagen
was wir nicht so meinen
einfach nur des lebens wegen

Ohne dich wären wir
nicht.

© Nelli H.

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Poesie

Farbengewirr.

© Nelli H.

© Nelli H.

Erinnerungen
unaufhörlicher Wasserfall.
Plätschern.
Lassen meinen Herzschlag rasen.
Rasen vor Wut,
vor Freude,
vor Angst,
vor Melancholie.

Meine Füße berühren das seichte, warme und doch kalte Wasser.
Saugen auf, was sie vergessen hatten, die langen Wege, die sie einst gegangen waren.
Die langen Pfade, die sie durchquerten, Dinge sahen,
die von unendlicher Schönheit geprägt waren,
lehrten, wie es sein könnte.

Dinge, die so scheußlich waren, dass man sie nur halb wahrnahm, aus Selbstschutz.
Dinge, die ein lebendes Herz in ihre Hände nahmen und es so sehr zerquetschten, dass sein Rhythmus unruhig wurde.
Erdrückt vom Leben.

Den Blick beim seichten Fall nach oben gerichtet, den Bäumen, dem Leben entgegen.
Sonnengewärmter Wind, der leicht meine Haare hebt, dem Himmel entgegen.

Ein Blick in dein Gesicht lässt mich zurückreisen, verstehen,
wie es einst für dich gewesen ist.

Wie sehr du es verinnerlicht hast.
Es jedoch nie gezeigt hast.
Auch du ließest dein Herz unruhig werden.
Nicht wissend, was du willst, was du sollst, was du darfst,
hast du beizeiten im Stillstand verharrt.

Deinen Blick auf die Welt gerichtet und so getan als seist du woanders, wohl wissend, dass wir nicht verlassen konnten, was uns so wichtig war und uns gleichzeitig zerstörte.

Den Körper eintauchend in den nun kaltgewordenen, rauschenden Zustand des Lebens,
erlöschen die Farben der Welt,
lassen mich eintauchen in das Grau von damals.
Der Versuch, zu verhindern, dass sich das Grau mit den Farben von heute mischt, ein langwieriger Prozess und doch unmöglich.

An manchen Tagen blicke ich in dein Gesicht,
das mir so viel bedeutet,
und merke, dass du deinen Rhythmus wiedergefunden hast.
Diese Tage werden häufiger werden.
Sie müssen.

© Nelli H.

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Poesie

Fortlaufend.

Als würde sich das Innerste das erste mal dem Äußeren entgegenstrecken.
Seine kleinen Finger der Einsamkeit nach den fallenden Blättern, die das Licht brechen, recken. Eine kleine Bewegung der Freiheit ausführen.
Doch unsicher wie es ist, schreckt es bei jedem Windhauch zurück. Zieht sich zusammen. Versteckt sich immer weiter hinter der Fassade.
Der Fassade des Zusammenseins, die die dunklen Schatten mit Licht flutet. Die kleinen Finger neigen sich immer weiter der Handfläche zu. Ballen eine Faust. Verkrampfen.
Der Film des Sommers zieht vorüber. Erinnerungen hallen wie Schritte auf dem Asphalt. Mal laut, mal leiser. Stimmen, die zerren, springen verhöhnend von Klippen direkt in unser Herz. Die Wellen spülen die Liebe davon, nehmen alles mit, was sie bekommen. Die Erinnerungen verblassen, lassen schroffe Gedanken zurück. Doch irgendwann sind auch diese fort.
Aus Sommer ist Winter geworden.

© Nelli H.

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