Poesie

Lebengeflecht.

Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich liebe“, sagtest du, dein sonnengeflutetes Gesicht zu mir drehend. Dieser Satz hallte noch lange in mir nach, setzte Energien frei, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie vorhanden sind. Und wieso das so war? Endlich wieder glaubte ich an das Leben, an die Welt und die Menschen, aber vor allem an mich selbst, denn ich fühlte mich wieder selbst, alles, was ich bin, was mich ausmacht. Seit ich wusste, dass dieser Satz ausreicht – sofern er wahrhaftig so gemeint ist – drehe ich  jeden Abend, kurz vor dem Schlafen gehen, mein Gesicht zu mir selbst, schaue mir selbst in diese wunderschönen Augen, die voller Lebensfunken sind, und sage mir, dass ich mich liebe. Lange Zeit sagte ich diesen Satz, ohne das Wissen, wieso diese Liebe zu mir eigentlich existiert. Wofür liebe ich mich eigentlich? Um es kurz zu fassen, liebe ich das Wesen, das ich bin, diese Seele, voller Ecken und Kanten, Frohsinn und Trübsinn, Albernheit und Ernsthaftigkeit, diese Aura, die mich umgibt. Diese Aura, die jedem Menschen vermitteln soll: ich nehme dich, wie du bist, egal mit welchen Monstern du gerade haderst, welche Mauern du überqueren und welchen Abgründen du dich gegenübersiehst.

Die Liebe, die du in dir trägst, wird niemals weniger, auch nicht, wenn du einen Batzen davon an andere Menschen weitergibst, ihnen eine Stütze, ein Freund bist. Im Gegenteil, sie wird sich vermehren, ins Unendliche, denn so wirst du Teil in anderen Leben und andere Leben ein Teil von dir. Alles ist miteinander verbunden, miteinander verwoben, ein wunderschön schimmerndes Geflecht aus Begegnungen, Erfahrungen, Momenten und Worten.

© Nelli H.

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Poesie

Liebe.

Verliebt in die Liebe,
richte ich meinen Blick
auf dich.
Deine Adern pulsieren, dein Herz pumpt Glück.
In jede Zelle deines Körpers,
fließt reine Freude.
Ja, bist du verrückt?!
Wo kommt all‘ die Liebe her?
Dachte, sie sei von der Welt verschluckt,
doch dann als ich verstand,
dass dem nicht so ist.
Dass ich dich vermiss‘ mit jedem Atemzug meines menschlichen kleinen Lebens,
jeden Tag bisher vergebens.
Doch dann,
dann sah ich dich
ganz rein
ganz frisch
ganz wunderbar
es geschah.
So säte ich dich eines Tages und goss dich jeden Tag
mit Streicheleinheiten, liebe Seele.
Da sprießte sie,
ich war entzückt.
Es erschien mir nicht mehr verrückt.
Dass ich liebte jeden Tag,
jeden noch so kleinen, kurzen Moment,
war er noch so flüchtig, noch so geschwind.
Ganz achtsam nahm ich wahr, was ist, was war.
Doch mehr auf das Jetzt, als auf das Damals,
den Fokus gerichtet,
meine Gedanken geschichtet
aufgereiht in Positivismus.
Strahle ich hinaus in die Welt.
Vibriere im Takt der Liebe.
Und hoffe, die Welt bebt mit.

© Nelli H. 

 

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Poesie

Begegnung mit mir selbst.

Den Schmerz hast du vor langer Zeit begraben,
in deinem Herzen.
Dieser Schmerz hat dich jahrelang gebremst,
dich gehindert, du selbst zu sein.
Die Angst verfolgte dich
und tut es an manchen Tagen noch.
Vertrauen, du kennst dieses Wort,
doch kannst du damit nichts anfangen.
So langsam tastest du dich wieder heran.
Jeden Tag ein Stückchen mehr.
Es ist harte Arbeit,
doch Arbeit, die du wert bist.

///

Gestern bist du dir selbst begegnet,
hast mit dir geredet,
dich umarmt.
So vieles verstanden.
Dich selbst verstanden.
Manche Menschen sind Monster,
doch du bist keines.
Du bist ein Wesen, das so viel Liebe zu geben hat.
Doch diese meist um sich herum verteilte,
anstatt nur ein winziges Bisschen für sich selbst zu behalten.

///

Gestern, da begegnete ich mir selbst.
Und ich verstand, wie wertvoll ich bin.

© Nelli H.

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Poesie

Selbstliebe.

Du weißt, dass ich dich liebe.
Das habe ich schon immer.
Nur sah ich es nicht.
Da ich zu sehr damit beschäftigt war, dich nicht zu mögen.
Rivalen, das waren wir unser Leben lang.
Doch vor kurzem verstand ich, dass es besser ist,
mit dir gemeinsame Sache zu machen.
Denn ich bin du und du bist ich.
Allein existieren wir nicht.
Denn, mein Gott, bist du mir wichtig.
Du bist so wundervoll wertvoll und alles für mich.
Meine Gedanken sagten mir lange Zeit etwas anderes.
Haben mich verdorben, mich verkorkst.
Nur Dunkelheit in mir verbreitet.
Doch dann verstand ich.
Ich liebe dich.
Du bist mein treuster Freund, weißt alles über mich.
Dir muss ich nichts erklären, du verstehst mich wortlos, gedankenlos.
Denn ich bin du und du bist ich.
Getrennt, sind wir Nichts.
© Nelli H. 

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Poesie

Niemals wieder.

Das sanfte Entschwinden in eine leisere, friedlichere Welt empfand ich schon immer als wohligen Genuss. Das Vergessen von Schmerz, Verlust und allem was war. Das Wissen, dass man sein kann, wer immer man möchte. Dass man jeden an seiner Seite haben kann, den man sich nur wünscht. Dass Regen und Sonnenschein sich in einem taktvollem, elegantem Tanze abwechseln.
Die Gewissheit, dass man für einige Stunden vergessen kann, was einen quält. Manchmal, da bedeutet träumen, leben zu können. Denn manchmal ist nichts wichtiger als zu pausieren.
Es gab eine Zeit, da hielt mich nichts lebendiger als diese Taktik. Schlafen, aufstehen, träumen, schlafend träumen. Doch eines Tages war verschwunden, was mein Leben so verrotten ließ.
Da verstand ich es, all das, was man sich wünscht, existiert nicht nur in unseren Köpfen. Wenn man aufhört sich selbst zu bemitleiden, sein Herz in die Hand nimmt und es der Welt präsentiert, ist nichts unmöglich. All das, was du erlebt hast, was du gefühlt hast, was du vielleicht noch immer nicht verstanden hast, all das hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist und das ist gut so. Du bist nicht weniger wert als sonst irgendjemand und kannst alles erreichen, was du willst.
Manchmal da gehe ich meinen bisher gegangen Weg rückwärts, um zu sehen, wie weit unten wir mal waren, wie klein wir uns fühlten, wie sehr wir dich hassten. In diesen Momenten verstehe ich, dass nicht du die Macht haben sollst, unser Leben zu bestimmen, sondern, dass wir das Mosaik neu zusammensetzen können. Zu einem Kunstwerk voller Leben, voller Vielfältigkeit, voller Liebe. Und niemals wieder wird es einen Zeitpunkt in unserem Leben geben, an dem du dieses Bild zerstören kannst.

© Nelli H. 

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Poesie

vermissen

Mit offenen Augen durch den Dunst des Tages.
Manchmal verlaufen, manchmal stillstehend,
dem Gesang der Nacht lauschen und
dem Tanz der Sterne beiwohnen.
Gedanken, die wandern. Die wandern.
Zu dir. Zu dem Moment, an dem du noch neben mir saßt.
Mit deinen Händen über meinen Arm gestreift
und mir leise flüsternd von dem Geheimnis des Lebens erzählt hast.
Du sagtest, dass wir nicht weinen sollen,
wenn du nicht mehr da bist.
Wenn du Teil der tanzenden Sterne geworden bist.
Doch immer wieder rollen sie hinab,
in den Momenten, die in der Stille des Tages,
lauthals nach dir rufen.
Deine Stimme vermissen,
dein Lachen,
deine endlose Liebe.
Alles, was du für uns gewesen bist.
Ein herzensguter Mensch, der niemals im Stich ließ.
Der stets mit festem Schritt nach vorne ging,
um dem Teufel die Hörner abzuschlagen.
Unser Fels in der Brandung.
Unser Ruhepunkt.
Unsere Zuflucht.

© Nelli H.

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Poesie

Hoffnung.

Midnight in Paris.

Wimpernschlag.
Ein Knistern.
Schritte,
die verhallen
in der Kälte der Nacht.
Der Schnee geschmolzen,
dämmt schon lange nicht mehr
die hastigen Bewegungen.
Ein einsamer Mann
sitzt auf dem nassen Straßenrand.
Er zählt die wenigen
Punkte am Himmel.
Er zählt langsam, sehr genau,
fast schon pathetisch.
Theatralisch hebt und senkt er die Arme,
spielt mit seiner Mimik
während er nach oben blickt.
Er redet viel über Sternenbilder,
über Licht und Schatten.
Wendet seinen Blick des Öfteren nach links.
Spricht als erwarte er manchmal eine Antwort.
Zieht die Worte lang, die fast schon melodisch seine Lippen verlassen.
Immer wieder hebt er den Blick gen Himmel,
dann wieder zurück zu der Person,
die in seinen Gedanken anwesend zu sein scheint.
Er erhebt sich, beugt seinen Arm, als würde er jemanden stützen
und läuft sanften, langsamen Schrittes.
Einmal scheint es, als würde seine Erinnerung stolpern,
denn er bewegt sich schnell nach vorn und greift mit seinen Händen nach der kalten Luft.
Er scheint erleichtert als beide wieder stehen.
„Du bist alles für mich.“
Seine Worte sind voller Liebe.
Sein Gesicht erhellt sich, er lacht.
Seine Stimme wird lauter,
mit beiden Händen umfasst er seine Hoffnung.
Alles, was ihm geblieben ist.
Blickt sie direkt an und wiederholt:
Du.
Bist.
Alles.
Für.
Mich.

Alles.

© Nelli H.

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